Wildpastete, Snoopy und eine Katze namens „Krapfen“

Wer früh aufsteht, hat mehr Zeit zu scheitern. Diesen Spruch kann man sich gut und gerne auf ein Tshirt drucken – denn wir alle vegetieren morgens doch oftmals gut und gerne in großzügigen Kissenlandschaften vor uns hin und schieben das schlechte Gewissen ob der Berge unerledigter Aufgaben einfach noch ein bisschen fort von der Bettkante. Bei Katzen indes sieht das ganz anders aus: Die vegetieren morgens idR in fremden (da menschlichen) Betten vor sich hin und haben gar kein Gewissen.

Der Name eines mir persönlich bekannten Katzentiers lautet „Snoopy“ – das kann einem seltsam vorkommen, weil hier ein Tier offenbar nach einem Hund benannt wurde, aber nicht so aussieht, riecht oder agiert wie einer. Aber da ich selbst in jugendlicher Verfehlung mal einen Wels auf den Namen „Diddl“ taufte – in Anlehnung an eine aus heutiger Sicht unerträgliche Wüstenmaus, die sich vor allem Ende der 1990er als Motiv auf diverse Kaffeebecher verirrte –  darf und werde ich an dieser Stelle nicht urteilen.

Wir hatten das Katzentier Snoopy auf jeden Fall für drei Wochen in Urlaubspflege. Mal stand es nachts einfach auf meinem Kopf. Mal warf es Katzenstreu aus dem Katzenklo. Und manchmal starrte es mich solange an, dass ich mich nicht mehr traute, mich zu bewegen. Ich mochte das Katzentier. Jenny mochte es so mittel, malte das Katzentier dafür aber sehr treffend.

Das Leben mit der Katze ist kein reines Zuckerschlecken. Irgendwann nenne ich Snoopy versehentlich „Lucky“, fühle mich wie Alf („Du bist jetzt keine Katze mehr – du bist ein Krapfen!“) und bin erschreckt:  Ob ich Snoopy wohl unterbewusst essen will? Gründe hätte ich ja eigentlich schon: Zur Katze führt man eine Beziehung, von der Freunde sagen würden, sie sei nicht gut für einen. Die Katze nimmt (Fressen, Streicheln, Entertainment mit Schnürsenkeln) , gibt aber nix oder nur dann, wenn ihr danach ist: Die kann locker erstmal ganz charmant ihren Kopf unter die eigene Hand kuscheln – nur um nach zwei Minuten einfach abzuhauen und sich für den Rest des Tages unters Bett zu rollen. Auch scheint die Katze nicht so smart, ihre Wahrnehmung funktioniert völlig abseits von Regelmäßigkeiten. Draußen bellt ein Hund eher leise; Reaktion Snoopy: Rauf auf die Flurkommode und -wisch! – wie von der Tarantel gestochen runter unters Bett. Draußen bellen 20 Hunde, ich selbst würde jetzt ganz gerne unters Bett; Reaktion Snoopy: Lethargie total. Nicht gerade helle, aber ziemlich narzisstisch – eine an sich garstige Mischung! Aber wenn die Katze einen dann so handschmeichelt mit ihrem kleinen, knuffigen Köpfchen stellt man ihr doch wieder einen Fressnapf hin.

Apropos Fressnapf: Die gekauften Töpfchen sagen laut Etikett, sie seien Hasenragout, Rind in Aspik oder Wildpastete. Ihr Inhalt hingegen macht diese Differenzen nicht: Ein Stück Knorpel knorpelt in allen Packungen gleich vor sich hin, und irgendwie riecht eh alles gleich nach Thunfisch. Der kleine, aber feine Würgereiz beim Öffnen einer Dose Katzenfutter gehört alsbald zur Alltagsroutine.

Das eigens für ihn gekauften Kratz-Entertainment-Center ignoriert Snoopy total, als ich ihm einen leeren Umzugskarton hinwerfe, geht er aber ab wie, haha, Schmidts Katze. Und dann hockt er da in seinem Karton und guckt einen aus grünen Augen an und lauert – auf was, weiß er dabei vermutlich selber nicht mal. Andererseits: Wenn man sieht, wie Snoopy mit meinem geflochtenen Lederhaarband umspringt, will man nicht unbedingt die nicht vorhandene Maus sein, die diesem Katzentier in die Pfoten fällt.

Am Ende der Pflegezeit überlegen wir, dass das perfekte Haustier eine Mischung aus Hund und Katze wäre. Eine Hutze also. Oder ein Kand. (Anmerkung: Eine „Hutze“ ist laut Wikipedia auf alemannisch eine getrocknete Birne als Dörrobst. Das fasziniert doch ein wenig.) Im besten Falle wären bei einer Hutze alle guten Eigenschaften der jeweiligen Spezies vereint: Man müsste nicht Gassi gehen, die Hutze würde katzenlike durch Eigenputz auch nicht stinken, wäre aber gleichzeitig ein soziales Wesen, dass einem den Ball, den man ihm geworfen hat, auch wiederbringt und sich nicht einfach aufs Sofa fläzt oder einen solange anstarrt, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. (Im schlechtesten Falle würde die Hutze aber aufwendige Spaziergänge einfordern, stinken und wäre ein starrender, anti-sozialer Vierbeiner. Die Kreuzung bleibt also ein perfides Spiel mit dem Risiko!).

Als Snoopy geht, vermissen wir ihn dann aber irgendwie schon. Jetzt steht nachts auch niemand mehr auf meinem Kopf.


Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Monster, Selbstversuch, Tiere abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Wildpastete, Snoopy und eine Katze namens „Krapfen“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s